Jahresbericht 2017

Vier Aspekte waren in diesem Jahr für unseren Verein von besonderer Bedeutung:
Erstens: Unsere Initiative zur Einrichtung einer Anlaufstelle für traumatisierte Flüchtlingskinder, die wir seit 2014 beharrlich verfolgt haben, hat jetzt endlich Früchte getragen:
im Mai stellte die Stadt Freiburg die entsprechenden Mittel für die nächsten zwei Jahre in ihren Haushalt ein und im Dezember wurde die Trägerschaft für ein „Kompetenz-und Beratungszentrum für traumatisierte Geflüchtete“ vergeben. Damit ist dieses Anliegen nachhaltig gesichert. Und auch in allen übrigen Bereichen unseres Schwerpunktthemas: „Hilfe für traumatisierte Flüchtlingskinder“ sind wir kontinuierlich weitergekommen. Dies betrifft sowohl die Kindergruppen in verschiedenen Wohnheimen als auch ein Beratungsprojekt in der Flüchtlingsunterkunft „Wiesentalstraße“, Freiburg. Einzelheiten zu diesem Projekt „Confidance“ wie auch zu allem anderen finden sich wie immer auf unserer Homepage: www.freiburger-kinderhilfe.de .

Zweitens: Alle unsere kleinen und großen Projekte zur unbürokratischen Unterstützung der Anliegen psychisch kranker Kinder und Jugendlicher konnten fortgesetzt werden. Das war nur möglich, da es gelungen ist, eine entsprechende Finanzierung auch in diesem Jahr sicherzustellen. Dies verdanken wir dem unermüdlichen Einsatz unserer Kassenverwalterin Frau Schmidt, die sich um die Mitglieder und die Spenden gekümmert hat, und der kontinuierlichen Aktivität ihres Vorgängers, Herrn Kemter, der sich weiterhin sehr erfolgreich dafür eingesetzt hat, Geldauflagen seitens der Justiz zugunsten unseres Vereins zu bewirken.

Drittens: Die Stationen der Kinder-und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik und die Klinikschule konnten ein großes und lang ersehntes Projekt im Klinikgarten verwirklichen. Dank einer großzügigen zweckgebundenen Spende von Radio Regenbogen („Spendenmarathon: Kinder unterm Regenbogen“) konnte ein Kletterturm gebaut werden, welcher von den Kindern und Jugendlichen rege genutzt wird und es ihnen ermöglicht, Erfahrungen von Selbstwirksamkeit zu machen, Selbstvertrauen zu entwickeln und sich auch in der Zeit der stationären Behandlung körperlich auszupowern.

Viertens: Auch in diesem Jahr ist es gelungen, den Verwaltungsaufwand weit unter 10 % der Gesamt-ausgaben zu halten und ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen zu finanzieren, sodass alle Spenden und Geldauflagen zu 100 Prozent den geförderten Projekten zugute kamen.

Grundprinzipien unserer Projektförderung

Unser wichtigster Grundsatz ist die unbürokratische und schnelle Hilfe für psychisch kranke Kinder in Not, vor allem bei Einzelfall-Hilfen sowohl für stationär aufgenommene Kinder als auch im ambulanten Bereich. Bei Projekten ist das Ziel unserer Vorgehensweise eine Anschubfinanzierung für etwas, was fehlt und ohne unsere Initiative nicht auf den Weg kommen könnte. In einem zweiten Schritt wollen wir hier dann eine gesicherte Finanzierung über Wohlfahrtsverbände etc. bewirken. Dabei ist uns bewusst, dass manche unserer Projekte einen langen Atem und eine dauerhafte Unterstützung benötigen, wie zum Beispiel die fortlaufenden Hilfen in der Klinikschule und im stationären Bereich, wo wir Möglichkeiten außerhalb des engen Rahmens der Kassenleistungen und der bürokratischen Vorgaben eröffnen und erhalten. Im ambulanten Bereich gewähren wir beispielsweise seit vielen Jahren Hilfen für finanziell schwächer gestellte Familien, um deren Kinder das therapeutische Klettern zu ermöglichen.
Psychisch kranke Kinder haben keine Lobby – hier springen wir ein.

Unsere Projekte im Einzelnen

Für viele große und kleine Anliegen auf den Stationen der Kinder- und Jugendpsychiatrie und in der Klinikschule leisten wir unbürokratisch Hilfe. Das reicht vom kleinen Geburtstagsgeschenk für die dortigen Kinder, der Erstausstattung mittelloser Jugendlicher mit Kleidern bis zur Ermöglichung der Teilnahme am Projekt KONTIKI (Kontakt Kinder-Tiere auf dem Mundenhof).

Unsere laufenden ambulanten Projekte haben wir fortgeführt: unbürokratische Einzelfall-Hilfen für psychisch kranke Kinder, das Projekt: Kinder psychisch kranker Eltern (MAKS/Anker), das „Therapeutische Klettern“ und ein Projekt für Kinder, die um einen nahen Angehörigen trauern und in einer Kleingruppe in der Natur ein Angebot zur Trauerbewältigung erhalten.

In Flüchtlingsunterkünften finanzierten wir weiterhin Kindergruppen mit kreativen und traumapädagogischen Ansätzen.

Die von uns zusammengestellte Liste von Kinder-und Jugendpsychiatern und Psychotherapeuten wird rege genutzt und hilft dabei, für die traumatisierten Kinder und Jugendlichen einen geeigneten Arzt oder Psychotherapeuten zu finden. Diese Liste kann von Mitarbeitern der Flüchtlingsunterkünfte, Lehrern und Sozialbetreuern angefordert werden und informiert über Fremdsprachenkenntnisse, besondere traumatherapeutische Qualifikationen und die Bereitschaft der Therapeuten, mit einem Dolmetscher zu arbeiten.

Neu entwickelt haben wir eine „symptomorientierte“ Sprechstunde vor Ort in der Flüchtlingsunterkunft Wiesentalstraße. Aufgrund der Erfahrung vieler Therapeuten, dass traumatisierte Menschen es oft scheuen, auf ihr Trauma direkt angesprochen zu werden, und aufgrund der Tatsache, dass oft kulturell bedingte Vorbehalte gegen Psychiatrie und Psychotherapie viele der Geflüchteten daran hindern, eine adäquate Hilfe aufzusuchen, versuchen wir mit diesem niederschwelligen, aufsuchenden Beratungsangebot ein kleines alternatives Modellprojekt aufzubauen, welches bisher sehr positive Resonanz gefunden hat und vielleicht auch andernorts Schule machen wird.

Alle Aktivitäten und Förderungen im Einzelnen aufzuführen, würde den Rahmen dieses Jahresrück-blicks sprengen. Hier sei nochmals auf unsere Homepage verwiesen, auf der alle Projekte detailliert beschrieben werden: www.freiburger-kinderhilfe.de

Unser Verein in Zahlen

Die Freiburger Vereinigung besteht seit 1976 und hat inzwischen 93 Mitglieder und 10 Fördermitglieder. Die Einnahmen im Jahr 2017 betrugen ca. 67.000 EUR, welchen Ausgaben von ca. 51.000 € gegenüber-standen. Die Einnahmen aus Spenden betrugen ca. 35.000 EUR, aus Bußgeldern ca. 28.000 EUR und aus Mitgliedsbeiträgen ca. 4.000 EUR.
Im stationären Bereich wendeten wir für die Stationen der Universitätsklinik und für die Klinikschule ca.27.300 € auf. Im ambulanten Bereich erhielten die größten Beträge: Flüchtlingsprojekte 8.300 €, Kinder psychisch kranker Eltern 9.200 EUR, therapeutisches Klettern 2.700 €, Kindertrauergruppe 1.400 €.
Der Verwaltungsaufwand lag mit 2.000 € bei ca. 4 Prozent der Gesamtausgaben.

Förderer und Spender

Unsere Arbeit wurde weiterhin seitens der Gerichte und Staatsanwälte in Form von Geldauflagen unter-stützt. Wir sind sehr froh, dass wir eine ganze Reihe von großzügigen und teilweise regelmäßigen Einzel-spenden erhalten: Eine zweckgebundene Spende über 20.000 € vom Spendenmarathon „Kinder unterm Regenbogen“ finanzierte den o.g. Kletterturm. Besonders hervorzuheben ist ein Beitrag der Firma AHP Merkle, Gottenheim, die uns jetzt bereits im 5. Jahr unterstützt (5.000 €); als „Projekt des Jahres“ erhielten wir von den dortigen Mitarbeitern zusätzlich 1.300 €; vom Gewinn-Sparverein der Sparda Bank bekamen wir bereits zum dritten Mal 4.000 €; Außerdem: Spenden anlässlich des Geburtstages von Reiner Schmidt (1.000 €); Taxi Dresmann (600 €); die seit Jahren regelmäßige Spende der Stiftung Lambrecht-Schadeberg (520 €); DW Immobilien Rheinheim (500 €); Dr. Schneider-Momm (500 €); und dann natürlich auch die vielen „kleineren“ Einzelspender, die hier genauso wenig aufgeführt werden können wie die Beiträge und die Mitarbeit unserer Mitglieder.

Ihnen allen danken wir stellvertretend für die psychisch kranken Kinder und Jugendlichen von Herzen. Ohne Sie wäre unsere Arbeit nicht möglich!

Im Januar 2018
Dr. Martin Sieber, Vorsitzender