Jahresbericht 2019

Für unseren Verein war 2019 ein Jahr für neue, zukunftsweisende  Planungen und gleichzeitig ein Jahr der Kontinuität in der Fortführung bewährter Projekte.
Neue Planungen: Bereits weit fortgeschritten sind die Vorarbeiten für eine Beratungsstelle, in welcher interdisziplinär das Thema: „schulvermeiden des Verhalten“ angegangen werden soll: viele Kinder und Jugendliche mit dieser Verhaltensauffälligkeit finden in unseren Hilfesystemen oft über viele Monate kein passendes Angebot und isolieren sich zu Hause vor dem Handy und dem Computer. Hier wollen wir beim Aufbau helfen. Geplanter Start: April 2020.

Geschwisterkinder von schwer-und mehrfachbehinderten Kindern tragen innerlich eine große Last und haben selbst ein erhöhtes Risiko, psychisch krank zu werden. Ein niederschwelliges Theater-Angebot für diese Kinder startet im Februar 2020.

Für psychisch kranke Kinder mit einer geistigen Behinderung gibt es keine geeigneten Versorgungsstrukturen. Eine spezialisierte Tagesklinik ist in Planung. Dies wollen wir finanziell und mit unserer Fachkompetenz unterstützen. Ob eine Umsetzung bereits 2020 gelingt, ist allerdings fraglich.

Bewährtes: Sowohl im Bereich der stationären Kinder-und Jugendpsychiatrie und in der Klinikschule als auch bei unseren ambulanten Projekten konnten wir für psychisch kranke Kinder und Jugendliche Hilfsangebote umsetzen, die in der „Regelversorgung“ nicht vorgesehen sind.

Im ambulanten Bereich mit dem Schwerpunktthema: Hilfe für traumatisierte Flüchtlingskinder galt es, die Arbeit der Anlauf-und Koordinierungsstelle „Refugium“, Freiburg weiterhin im Bereich für die Beratung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen finanziell zu unterstützen und auszubauen. Es ist beeindruckend, wie sich im „Refugium“ die Arbeit mit geflüchteten Familien, Kindern und Erwachsenen sinnstiftend etabliert hat.

Weiter ausgeweitet wurde unser zweiter Schwerpunkt im ambulanten Bereich: die Beratungstätigkeit von MAKS/Anker in den psychiatrischen Kliniken zum Thema: Kinder psychisch kranker Eltern. Die übrigen ambulanten Projekte gingen in bewährter Weise weiter.

In diesem Jahr ist es gelungen, den Verwaltungsaufwand bei 5,2 % der Gesamtausgaben zu halten und ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen zu finanzieren, sodass wie in den Vorjahren alle Spenden und Geldauflagen zu 100 Prozent den geförderten Projekten zugute kamen.

 Grundprinzipien unserer Projektförderung

Unser wichtigster Grundsatz ist die unbürokratische und schnelle Hilfe für psychisch kranke Kinder in Not, vor allem bei Einzelfall-Hilfen sowohl für stationär aufgenommene Kinder als auch im ambulanten Bereich. Bei Projekten ist das Ziel unserer Vorgehensweise eigentlich: „Anschubfinanzierung“ für etwas, was fehlt und ohne unsere Initiative nicht auf den Weg kommen könnte. Und „eigentlich“ wollen wir längerfristig eine gesicherte Finanzierung über Wohlfahrtsverbände etc. bewirken. Zunehmend ist es aber so, dass dies nicht gelingt und viele unserer Projekte eine dauerhafte Unterstützung benötigen, wie zum Beispiel die fortlaufenden Hilfen in der Klinikschule und im stationären Bereich, wo wir Möglichkeiten außerhalb des engen Rahmens der Kassenleistungen und der bürokratischen Vorgaben eröffnen und erhalten. Im ambulanten Bereich gewähren wir beispielsweise seit vielen Jahren Hilfen für finanziell schwächer gestellte Familien, um deren Kinder das therapeutische Klettern zu ermöglichen.

Psychisch kranke Kinder haben keine Lobby – hier springen wir ein.

Unsere Projekte im Einzelnen: Für viele große und kleine Anliegen auf den Stationen der Kinder- und Jugendpsychiatrie und in der Klinikschule leisten wir unbürokratisch Hilfe .Das reicht vom kleinen Geburtstagsgeschenk für die dortigen Kinder, der Erstausstattung mittelloser Jugendlicher mit Kleidern bis zur Ermöglichung der Teilnahme am Projekt KONTIKI (Kontakt Kinder-Tiere auf dem Mundenhof).

Das Projekt zur Unterstützung für traumatisierte geflüchtete Kinder und Familien hat sich konsolidiert: unsere Initiative zur Einrichtung einer Anlaufstelle wurde 2017 erfolgreich umgesetzt. 2018 begann mit Finanzierung durch die Stadt Freiburg die Traumaambulanz „Refugium“ ihre Arbeit. In Trägerschaft von Refudocs und Caritas wird dort die Arbeit geleistet, welche wir über Jahre eingefordert hatten. Wir unterstützten  Refugium auch 2019, indem wir eine spezielle Kindersprechstunde finanzierten, außerdem  ein kreatives Gruppenangebot in der Flüchtlingsunterkunft Wiesentalstraße von „Start-international“.

Weitere ambulanten Projekte haben wir fortgeführt: unbürokratische Einzelfall-Hilfen für psychisch kranke Kinder, das Projekt: Kinder psychisch kranker Eltern (MAKS/Anker), das „Therapeutische Klettern“ und ein Projekt für Kinder, die um einen nahen Angehörigen trauern und in einer Kleingruppe in der Natur ein Angebot zur Trauerbewältigung erhalten. Neu hinzugekommen ist die Förderung einer Elterngruppe von autistischen Kindern.

Alle Aktivitäten und Förderungen im Einzelnen aufzuführen, würde den Rahmen dieses Jahresrückblicks sprengen.  Auf unsere Homepage www.freiburger-kinderhilfe.de werden alle Projekte detailliert beschrieben.

Unser Verein in Zahlen

Die Freiburger Vereinigung besteht seit 1976 und hat inzwischen 93 Mitglieder und 10 Fördermitglieder. Die Einnahmen im Jahr 2018 betrugen ca. 55.000 EUR, welchen Ausgaben von ca. 41.000 € gegenüberstanden. Die Einnahmen aus Spenden betrugen ca. 22.000 EUR, aus Bußgeldern ca. 29.000 EUR und aus Mitgliedsbeiträgen ca. 4.000 EUR. Die Ausgaben verteilten sich wie folgt: ca. 1/3 für die stationären und ca. 2/3 für die ambulanten Projekte. Der Verwaltungsaufwand lag mit 2.131 € bei 5,2 Prozent der Gesamtausgaben.

Förderer und Spender

Unsere Arbeit wurde weiterhin seitens der Gerichte und Staatsanwälte in Form von Geldauflagen großzügig unterstützt. Wir sind sehr froh, dass wir eine ganze Reihe von teilweise regelmäßigen Einzelspenden erhalten: Besonders hervorzuheben ist ein Beitrag der Firma AHP Merkle, Gottenheim, die uns jetzt bereits  im 8. Jahr unterstützt (1.000 €). Vom Gewinn-Sparverein der Sparda Bank bekamen wir bereits zum fünften Mal 4.000 €. Weitere Spenden: Losan Pharma, Neuenburg (1000 €); VDK Maulburg (500 €); Taxi Dresmann (400 €); die seit Jahren regelmäßige Spende der Stiftung  Lambrecht-Schadeberg (520 €); U. Hente und Dr. Schneider-Momm (je 500 €); und dann natürlich auch die vielen „kleineren“ Einzelspender, die hier genauso wenig aufgeführt werden können wie die Beiträge und die Mitarbeit unserer Mitglieder.

Ihnen allen danken wir stellvertretend für die psychisch kranken Kinder und Jugendlichen von Herzen. Ohne Sie wäre unsere Arbeit nicht möglich!

Im Januar 2020
Dr.med. Martin Sieber, Vorsitzender