Kinder psychisch kranker Eltern

Offene Sprechstunde zum Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“

Die Situation von Kindern psychisch kranker Eltern rückte in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus sowohl der kinder- und jugendpsychiatrischen Forschung als auch der Tätigkeit von Beratungsstellen: Diese Kinder haben ein wesentlich erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken oder durch die psychische Erkrankung ihrer Eltern schwer belastet zu werden. Die Freiburger Vereinigung hat daher 2012 gemeinsam mit der Beratungsstelle  MAKS/ANKER ein Projekt gestartet, in den Kliniken für Erwachsenenpsychiatrie und -psychotherapie eine Beratung von psychisch kranken Eltern und deren Angehörigen anzubieten.

Was passiert konkret?

Seit vier Jahren gibt es in den psychiatrisch-psychotherapeutischen Kliniken Emmendingen und Freiburg eine offene Sprechstunde: diese ist  ein niederschwelliges Beratungsangebot für Patienten und deren Angehörige zu allen Fragen, welche die Kinder von psychisch kranken Eltern betreffen. Als Berater standen im ersten Jahr ein ehrenamtlich arbeitender Kinderpsychiater unserer Vereinigung und eine Sozialpädagogin von MAKS/ANKER zur Verfügung. In der Zwischenzeit werden die Sprechstunden von der Sozialpädagogin in eigener Verantwortung mit der Möglichkeit der Rücksprache bei kinderpsychiatrischen Fragestellungen durchgeführt. Die Beratungen sind für die Familien kostenlos. Sie werden von unserem Verein finanziell unterstützt.

Beispiel 1: Auf der psychiatrischen Akutstation fällt auf, dass der Ehemann einer depressiven Patientin immer nur ganz kurz bleiben kann, da er zurück zu seinen Kindern muss. Rasch wird klar, dass er materielle Unterstützung braucht. Der Sozialdienst vermittelt eine Familienhilfe. Darüber hinaus meint er aber, er wisse gar nicht, wie er mit seinen drei Kindern über die Depression der Mutter reden soll. Er hat Angst, die Kinder könnten im Kindergarten oder der Schule erzählen, dass die Mutter im „PLK“ ist, was er unbedingt vermeiden will. Dieser Vater nutzt das Beratungsangebot, um zu klären, wie er mit seinen Kindern über die Erkrankung der Mutter sprechen kann.

Beispiel 2: Die Ehefrau eines schizophren erkrankten Patienten berichtet im Gespräch gegenüber ihrem Arzt, dass der siebenjährige Sohn seit Einlieferung des Vaters einnässt, nicht mehr in seinem Bett einschläft und morgens vor der Schule Bauchweh hat. Sie weiß nicht, ob das jetzt schon eine psychische Erkrankung ist, wegen derer sie mit ihm zum Kinderpsychiater muss. Auch diese Frau könnten wir gut beraten und an eine kompetente Stelle zur Durchführung einer Diagnostik und gegebenenfalls auch eine Therapie des Kindes vermitteln.

Beispiel 3: Eine Patientin mit abklingender Depression hat vor der Entlassung große Scheu: Sie weiß nicht, wie sie mit ihren Kindern darüber reden soll, was sie in den letzten 6 Wochen im Krankenhaus gemacht hat und was das für eine Erkrankung ist. Sie möchte nicht, dass die Kinder zuviel Rücksicht auf sie nehmen aber sie denkt schon, dass sie auf große Mithilfe der ältesten Tochter angewiesen sein wird; sie weiß aber, dass sie selbst als älteste Tochter einer schwer depressiven Mutter unter dieser Rolle massiv gelitten hat. Sie gewinnt im Beratungsgespräch in der Klinik Klarheit, wie sie der Tochter nach der Entlassung begegnen will und beginnt anschließend einen längeren Beratungsprozess am Heimatort.

Fazit

In der offenen Sprechstunde können kleinere Fragen geklärt werden, bei komplexeren Themen kann eine Weichenstellung erfolgen oder es werden weiterführende Hilfsangebote vermittelt. Das Angebot ist niederschwellig und hilft, die Tabuisierung von psychischer Erkrankung in den Familien zu überwinden und besser mit der Belastung, welche die Kinder ganz besonders betrifft, umzugehen. Außerdem hat sich gezeigt, dass es auch für die  Kliniken manchmal wichtig ist, einen Anstoß zu diesem Thema von außerhalb zu bekommen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserer Presseerklärung und auf der Homepage unseres  Kooperationspartners MAKS/ANKER.